Es geht um viel Geld, um Prestige, um Macht und um Innovation. Dass die Pharmaindustrie eine große Lobby hat, ist bekannt. Dass sie jährlich hohe Summen an Geldern erwirtschaftet verwundert niemanden. Dass sie aber auch eine erhebliche Anzahl an Auszeichnungen kennt ist eher unbekannt. Mindestens alle zwei Jahre werden Preise verliehen, für neueste Entwicklungen in der Forschung und für beste Webgestaltungen. Einige Namen mögen dies untermauern: der Deutsche Zukunftspreis der Bundesregierung, die Verleihungen des internationalen Non-Profit-Netzwerks ISPE (International Society for Pharmaceutical Engineering), der Deutsche Innovationspreis, das Pharma Social Media Awards (Dosie) und der Boehringer Ingelheim FENS Research Award. Viele Preise, viel Geld, aber auch eine seltsame Verquickung von Privatpersonen an Universitäten und Unternehmen, die untereinander in einer zweifelhaften Beziehung stehen.
Ein Beispiel mag dies verdeutlichen. Im Jahre 2011 ging der Deutsche Innovationspreis an Boehringer Ingelheim für die Entwicklung des Gerinnungshemmers Dabigatran. Der mit 20.000 Euro dotierte Boehringer Ingelheim-Preis wiederum war ein Jahr zuvor an Dr. med. Andrea Tüttenberg von der Hautklinik und Poliklinik und an Dr. med. Martin Götz von der 1. Medizinischen Klinik und Poliklinik gegangen, beide an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig. Zugleich fördert Boehringer Ingelheim einen weiteren Preis, den FENS an junge Nachwuchswissenschaftler. Bei dieser engen Beziehung zwischen Forschung und Industrie verwundert es nicht im Ärzteblatt zu lesen, dass mindestens ein Viertel der akademischen Mitarbeiter und ungefähr zwei Drittel der akademischen Institutionen finanzielle Beziehungen zur Industrie haben. Die Industrie forscht, verleiht Preise und erhält Preise. Dass der Reiz für junge Forscher in der Industrie zu arbeiten sehr hoch ist, versteht sich von selbst. Hier können innovative Köpfe forschen ohne Angst haben zu müssen, dass das Geld hierfür ausbleibt. Es ist verstehbar, dass Forscher an den Universitäten froh sind um diese zusätzlichen Geldquellen, müssen sie doch alle paar Jahre um ihre öffentlichen Gelder bangen. Die Frage ist nur, ob der unabhängige universitäre Charakter noch bewahrt bleibt oder ob die Industrie im eigenen Interesse handelt. Sobald die Industrie auf dem freien Markt gehen, lässt sie ihre eigenen Produkte per wissenschaftliche Untersuchungen als die besseren verkaufen. Hier ist Eigeninteresse angesagt. Und so müsste die unabhängige Forschung an den Universitäten sich fragen, ob sie lieber den unabhängigen Geist fördert oder sich von der Industrie bestechen lässt. Letztendlich zahlt aber der einfache Bürger für die Forschungen durch erhöhte Preise der Medikamente, die sie dringend braucht. Wahrscheinlich ist ohne die Industrie Forschung auf hohem Niveau nicht möglich. Wenn dann liegt es an der Regierung sich Gedanken zu machen, ob sie weitere universitäre Forschung unterstützt, indem sie die finanzielle Unsicherheit aufhebt oder ob sie die Abhängigkeit vom freien Markt fördert.
Zum Schluss noch ein paar Webtipps der Redaktion:
- Jobsuche bei pharmajob.de
- Schwere Niederlage für Pharmaindustrie
- EU-Länder schulden der Pharmaindustrie Millionen


